Droht jetzt eine neue Eurokrise?



Experten wie Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank, stufen die Lage an den Märkten noch als “nicht dramatisch” ein. “Das Dringlichkeitstreffen des EZB-Rats hatte daher eher vorbeugenden Charakter”, sagte Kater am Mittwoch. Die Fachleute sind sich also uneins – aber was ist überhaupt passiert?

EZB hebt Zinsen an

Angesichts der stark gestiegenen Inflation hatte die EZB vergangene Woche im Juli die erste Zinserhöhung seit elf Jahren angekündigt. Sie beabsichtige eine Anhebung um 0,25 Prozentpunkte, gab die EZB am Donnerstag bekannt. Im September dürfte dann nachgelegt werden, bei anhaltend hoher Inflation sogar stärker als im Juli.

Als wichtige Voraussetzung dafür kündigte sie das Ende des milliardenschweren Anleihe-Ankaufprogramms APP an – und zwar zum 1. Juli 2022. Daraufhin zogen Kapitalmarktzinsen ebenfalls an, besonders bei südeuropäischen Staatsanleihen. Mit diesen Anleihen finanzieren sich Staaten (mehr dazu lesen Sie hier).

Der sogenannte Renditeabstand (Spread) zwischen den Staatsanleihen Deutschlands und den Staatsanleihen höher verschuldeter Euroländer im Süden wie Italien war zuletzt nach oben geschossen. Am Dienstag war der Renditeabstand auf mehr als 2,50 Prozentpunkte gestiegen – der höchste Abstand seit 2020.

Einige Eurostaaten könnten ein Finanzierungsproblem bekommen

In diesem Renditeabstand, auch Risikoaufschlag genannt, kommt die Sorge von Investoren zum Ausdruck, dass die EZB die besonderen Bedürfnisse der südlichen Länder aus dem Blick verlieren könnte – wenn sie nun die Geldpolitik strafft und die Zinsen anhebt. Das Problem für die hoch verschuldeten Staaten: Es wird teurer, sich zu finanzieren und frisches Geld zu besorgen.

Das kann zu einer bedrohlichen Abwärtsspirale führen. Denn gerade hoch verschuldete Staaten lösen mit neuen Anleihen die Schulden aus den vorherigen Anleihen ab. Steigen nun die Kosten für die Staatsanleihen, drohen diese Länder in Schwierigkeiten zu geraten, ihre bisherigen Schulden zu begleichen. Genau diese Entwicklung hat vor zehn Jahren Griechenland in eine gefährliche Schieflage gebracht.

EZB-Direktorin Isabel Schnabel hatte daher bereits am Dienstag gesagt, die Geldpolitik müsse reagieren, wenn die Risikoaufschläge am Anleihenmarkt durch die Decke gingen und dies die Preisstabilität und die Maßnahmen der Notenbank durchkreuze.

Die jüngsten Ausschläge wecken Erinnerungen an die Euro-Schuldenkrise vor einem Jahrzehnt. Damals konnten die Finanzmärkte erst beruhigt werden, als der damalige EZB-Chef Mario Draghi versprach, die Zentralbank werde alles innerhalb ihres Mandats tun, um den Euro zu retten. Der Ausdruck “whatever it takes” ist in die Finanzgeschichte eingegangen. Auch jetzt wollte die EZB verhindern, dass die Kapitalmarktzinsen noch weiter steigen (siehe nächster Abschnitt).

Was macht die EZB?

Sie sieht das Problem und hatte auf ihrer Sondersitzung am Mittwoch angekündigt gegenzusteuern. “Die Pandemie hat dauerhafte Schwachstellen in der Wirtschaft des Euro-Währungsgebiets hinterlassen, die in der Tat zu einer ungleichmäßigen Übertragung der Normalisierung unserer Geldpolitik auf die einzelnen Länder beitragen”, heißt es in einer Mitteilung der Notenbank. Im Klartext: Die angekündigte Zinswende wirkt sich bereits jetzt unterschiedlich auf die einzelnen Eurostaaten aus.



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