Skandal | Fabio De Masi: “Putin hat die Bundesregierung in der Hand”


Eine Woche nach dem Bericht soll die Münchner Staatsanwaltschaft ein Rechtshilfeersuchen an die russische Regierung gestellt haben, um seine Auslieferung zu erreichen, wie die Zeitung weiter schreibt. Bislang jedoch ohne Erfolg.

“Die deutschen Sicherheitsbehörden haben Marsalek herausspazieren lassen”

Fabio De Masi, der Marsalek “im russischen Einflussbereich” vermutet, machen diese Vorgänge stutzig. “Russland soll dem BND vorgeschlagen haben, sich mit Jan Marsalek zu treffen. Der BND hatte dies dem Untersuchungsausschuss und der Staatsanwaltschaft verschwiegen, obwohl im ganzen Land Fahndungsplakate von Marsalek hängen”, sagte er.

Seine Vorwürfe gehen gar noch weiter: “Die deutschen Sicherheitsbehörden haben Marsalek mit Hilfe österreichischer Ex-Agenten herausspazieren lassen, obwohl dieser zum Beispiel öffentlich mit Geheimdokumenten zum Skripal-Anschlag herumgewedelt hat.”

Tatsächlich war die Flucht Marsaleks wohl akribisch vorbereitet. Einem Bericht des “Spiegels” zufolge soll Marsalek noch am Tag seiner Freistellung, dem 18. Juni, über Weißrussland nach Russland gelangt sein; noch als Wirecard-Vorstand prahlte er mit seinen Beziehungen zu Geheimdienstlern.

Auch Jörn Leogrande, ehemaliger Wirecard-Innovationschef, sagte t-online jüngst, Marsalek habe eine “Obsession fürs Militärische” gehabt. Mehr dazu lesen Sie hier.

De Masi: “Die Regierung stiehlt sich aus der Verantwortung”

Diese vermeintlichen Verbindungen zu Russland haben bei De Masi zu einem schweren Vertrauensbruch geführt: “Wenn ich ehrlich sein soll: Es fällt schwer, den deutschen Sicherheitsbehörden noch zu glauben.”

“Die Regierung blockt Anfragen von Abgeordneten unter Verweis auf das Staatswohl ab, aber der BND erzählt den Medien, das Angebot, Marsalek zu sprechen, sei nicht ernst zu nehmen gewesen, obwohl sie sofort das Kanzleramt informiert haben.” Sein Fazit fällt entsprechend scharf aus: “Die Regierung stiehlt sich aus der Verantwortung.”

Er selbst nehme hohe persönliche Risiken auf sich, schreibt immer noch parlamentarische Anfragen, die er über Kollegen des Bundestags einreicht, “nur, dass alles abgeblockt wird”, so De Masi. Auch seinen damaligen Mitstreitern wirft er vor, untätig zu sein.

Den Aktenordner von Fabio De Masi zierte der Fahndungsaufruf nach Jan Marsalek. (Quelle: Jürgen Heinrich/imago-images-bilder)

“Die Koalitionspartner von Bundeskanzler Scholz, FDP und Grüne, haben offenbar auch kein Interesse mehr, dass Dinge ans Licht kommen, die den ehemaligen Finanzminister Scholz oder deutsche Sicherheitsbehörden belasten”, sagte er.

Und weiter: “Marsalek stellt mit seinem Wissen vermutlich ein Sicherheitsrisiko für Deutschland dar.” Das wisse auch Putin. “Er wird Marsalek nicht einfach so freigeben, sondern hohe Forderungen an Deutschland stellen. Putin hat die Bundesregierung bei Wirecard in der Hand”, so der ehemalige Linkspolitiker weiter. Dabei gilt: Wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine dürften etwaige Verhandlungen mit dem Kremlchef noch komplizierter werden.

Hauer bringt neuen U-Ausschuss ins Spiel

Auch Ex-Wirecard-Manager Leogrande vermutet, dass viele Menschen ein Problem hätten, wenn Marsalek wieder auftaucht. “Denn Jan könnte mit Sicherheit einige Fragen klären, die heute immer noch offen sind”, sagte Leogrande, der Marsalek und Braun duzte. “Etwa zu den Verbindungen zu den Geheimdiensten oder zu der Rolle von Wirecard-CEO Markus Braun.”

Der CDU-Abgeordnete Hauer bringt gar einen neuen Untersuchungsausschuss ins Spiel. “Ich schließe einen weiteren U-Ausschuss zu Wirecard nicht aus”, sagte er. “Sollte es neue Erkenntnisse geben – etwa zum Aufenthaltsort von Marsalek oder aus den Strafverfahren, beispielsweise gegen Markus Braun –, müssten die Konsequenzen geklärt werden. Der Wirecard-Skandal ist noch lange nicht vollständig aufgeklärt.”

De Masi teilt derweil eine weitere Spitze gegen den BND aus: “Wenn die Geheimdienste Marsalek nicht sprechen wollen, ich mache das gerne. Ich habe Marsalek noch nie gesprochen. Er kann sich aber gerne bei mir melden, ich hoffe, er liest t-online.”

Was sagt der frühere Wirecard-Chef Braun dazu?

Wenig. Markus Braun, der nach seiner Inhaftierung am 22. Juni 2020 zunächst gegen Kaution freikam, wurde einen Monat später erneut verhaftet. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Im Sommer entscheidet das Oberlandesgericht München darüber, ob die Anklage der Staatsanwaltschaft zugelassen, das Hauptverfahren also eröffnet wird.

Die Vorwürfe wiegen schwer: Es geht um gewerbsmäßigen Bandenbetrug, Marktmanipulation und Untreue. Bis zu zehn Jahre Haft drohen Braun. Der Ex-Manager bestreitet seit zwei Jahren sämtliche Vorwürfe; auch mit Aussagen zu Marsalek, der als Drahtzieher des Bilanzbetrugs gilt, hält er sich bedeckt.

Markus Braun (Archivbild): Der frühere Wirecard-CEO sitzt seit zwei Jahren in U-Haft.
Markus Braun (Archivbild): Der frühere Wirecard-CEO sitzt seit zwei Jahren in U-Haft. (Quelle: Sven Simon/imago-images-bilder)

Auf Anfrage von t-online teilte sein Sprecher mit, dass Braun “mehr denn je fassungslos darüber” sei, dass ihn aus Vorstand und Mitarbeiterschaft heraus Personen, denen er bis zuletzt vertraut habe, hintergangen hätten. Diese Erzählung hatte Braun bereits mehrfach bemüht, den Namen Marsalek bislang nicht in den Mund genommen.

Braun stellt auf kriminelle “Bande” ab

Der Manager stellt sich als Opfer dar: Wirecard sei ein funktionierendes Unternehmen gewesen, “das nur durch die Machenschaften einer hochkriminellen Bande zerstört wurde”. Es habe “sehr wohl” Einnahmen aus dem Wirecard-Drittpartnergeschäft gegeben, diese habe aber eine “Bande” aus dem Unternehmen geschleust und über Schattenstrukturen veruntreut, so der Sprecher weiter.

“Doktor Braun war nie Mitglied dieser Bande, hat nie von ihr profitiert und hat von ihrem Tun erst aus den Akten erfahren.” Aufgabe der Staatsanwaltschaft sei es daher, “endlich dem Geld der Anleger nachzuspüren, das von dieser Bande unterschlagen wurde.” Aller Voraussicht nach startet im Herbst 2022 das Hauptverfahren gegen Braun. Doch der Mann, der die Antworten geben könnte, wird wohl nicht dabei sein: Jan Marsalek.



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